Social Media für Einsteiger*innen ab 40, 50 oder 60: Was es heute wirklich von dir verlangt
- Katharina Lerch
- 17. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Tipps für Menschen, für die der Einstieg in Social Media später im Leben kommt.

Ich arbeite mit vielen Menschen, die Social Media nicht „von Anfang an“ gelernt haben.
Menschen, die heute 40, 50 oder 60 sind.
Die beruflich gut aufgestellt sind, interessante Themen haben – und plötzlich vor der Frage stehen:
„Müssen wir jetzt auch noch Instagram machen?“
Und was ich in diesen Gesprächen immer wieder erlebe, ist nicht fehlende Kompetenz.
Es ist ein grundlegendes Missverständnis:
Ein komplettes Missverständnis darüber, was Social Media heute eigentlich ist.
🧠 Das Spiel hat sich verändert
Ich gehöre zu der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist.
Ich durfte als Kindergartenkind an Papas C64.
Ende der 90er hatten wir Internet zu Hause – aber nur kurz nach 21 Uhr, weil es dann günstiger war. Viel zu sehen gab es eh nicht. Eine Homepage hat zehn Minuten geladen – in der Zeit konnte man locker eine Kassette mit dem Bleistift zurückspulen.
Das Internet ist heute anders.
Mittlerweile haben wir Social Media, doch auch das hat sich damals ganz anders angefühlt.
Wer in den frühen 2000ern als Organisation soziale Netzwerke genutzt hat, hatte ein Profil bei Facebook – Seiten waren nicht mal erfunden. Alles war übersichtlicher, weniger User*innen, keiner hat das mit Budget gemacht.
Es reichte, wenn du dort warst.
Das hier ist nicht mehr dasselbe Spiel.
Social Media war mal ein Schaufenster.
Heute ist es eine Bühne.
Und nicht irgendeine –
eine, auf der ständig gespielt wird.
👥 Und die Ausgangslagen sind unterschiedlich
Wenn du heute 20 bist und mit TikTok groß geworden bist:
Du bewegst dich da relativ intuitiv, was die Nutzung angeht. Strategie hast du dennoch nicht automatisch mit der Muttermilch aufgesogen, klar.
Wenn du 40 bist und mit dem Internet gewachsen bist:
Du kannst dir das draufschaffen. Du lebst eh dein ganzes Leben schon damit, dass scheinbar ewig gültige Dinge sich ändern. Du hast eine Rechtschreibreform überlebt, dich bringt so leicht nichts aus der Fassung. Wenn das Internet streikt, weißt du: Das ist nichts Magisches. Da hängen irgendwo Kabel dran.
Wenn du 60 bist und deine Arbeit eigentlich nie besonders viel Technik und Computer enthalten hat:
Dann ist das kein Tool.
Dann ist das ein komplett neues Spielfeld.
🎯 Und dann sitzt du bei mir in der Beratung
Ganz oft ähneln sich die Szenarien.
Eine Künstlerin, Anfang 60.
Sehr klar, sehr entschieden: Sie braucht jetzt Unterstützung für Instagram.
Am liebsten im Einzelunterricht. Eine Sachbearbeitung im Verein Ende 50, hat Instagram als Zusatzaufgabe bekommen und weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Sie sorgt sich, dass sie das eigentlich alles können müsste - aber es war nie Teil ihrer Ausbildung! Auch sie wünscht sich Einzelunterricht. Beide Personen haben sehr gute Gründe für diesen Wunsch. Sei es, weil sie sich selbst gut kennen und die besten Rahmenbedingungen fürs Lernen schaffen wollen. Oder sei es, weil sie sich ein wenig schämen vor anderen Teilnehmenden. Beides völlig legitim.
Und ich sitze da und denke: Das wird teuer – und wahrscheinlich bringt es dir nichts. (Einzelunterricht ist so ziemlich das Teuerste, wofür man uns Referent*innen buchen kann.)
🧱 Einzelunterricht löst das eigentliche Problem nicht
Ich mache kaum noch 1:1-Schulungen.
Nicht, weil ich das nicht kann.
Sondern weil es oft die falsche Lösung ist.
Wenn du Einzelunterricht brauchst, um dir Instagram erklären zu lassen,
kaufst du dir gerade für viel Geld ein Wissen, das in ein paar Monaten wieder veraltet ist.
Knöpfe wandern. Formate ändern sich.
Was du brauchst, ist nicht Wissen –
sondern die Fähigkeit, dir das ständig neu anzueignen.
Und zwar im Alleingang. DAS ist die Jobbeschreibung für Social Media heutzutage.
🧠 Was mir wirklich Sorgen macht
Viele kommen zu mir, wenn die Entscheidung schon gefallen ist.
„Wir machen jetzt Instagram.“
Und ich sehe sofort:
– keine Zeit
– keine Themen
– keine Lust auf Regelmäßigkeit
Aber dieser eine Satz hängt im Raum:
„Man muss das ja heute machen.“
🧠 Und dann kommt die psychologische Keule
Social Media wird oft verkauft wie:
„Das ist ein bisschen wie Homepagepflege.“
Das ist falsch.
Es ist eher:
„Ich höre gern Musik“ → „Ich stehe jetzt regelmäßig auf der Bühne.“
Und diese Bühne ist nicht neutral.
Du postest nie einfach „für dich“.
Du weißt genau, wer das sieht:
Kolleg*innen.
Vorgesetzte.
Menschen, die deine Arbeit bewerten.
Du sitzt da und denkst:
„Kann ich das so sagen?“
„Ist das peinlich?“
„Warum reagiert niemand?“
Oder du postest etwas, das dir wichtig ist –
und es passiert… nichts.
Das geht an die Substanz.
🌿 Was ich stattdessen mache
Bei jeder Beratung sollte rauskommen dürfen:
Nein.
Will ich nicht.
Kann ich nicht.
Ich mache was anderes.
Deswegen ist das erste Gespräch bei mir sowieso immer kostenlos - wir müssen doch erst mal gucken, ob ich dir überhaupt helfen kann!
🎯 Mein Fazit
Mein Punkt ist nicht:
„Mach kein Social Media.“
Mein Punkt ist:
Überleg dir sehr genau, ob du dieses Spiel spielen willst.
Es ist laut.
Es ist schnell.
Es ist algorithmisch.
Und es ist nicht mehr nebenbei machbar.
Wenn du das willst:
Go for it.
Wenn nicht:
Dann ist das keine Schwäche.
Dann hast du verstanden, worum es hier wirklich geht.



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